Mehr lesenMehr lesenMehr lesenMehr lesen

Zwei Rettungsringe für den Turm von Schloss Reinhardsbrunn

Gotha. Wie angewurzelt steht das Schloss in Reinhardsbrunn, als wollte es allem Ungemach der Menschen, die es kaufen und weiter verkaufen und doch nicht hüten, trotzen.

Die Stahlstreifen liegen wie Gürtel und sichern daher das Mauerwerk vom Westturm am Schloss Reinhardsbrunn. Foto: Ute Rang

Die Stahlstreifen liegen wie Gürtel und sichern daher das Mauerwerk vom Westturm am Schloss Reinhardsbrunn. Foto: Ute Rang

Hier, wo der Thüringer Graf Ludwig der Springer in der Nähe seiner Stammburg bei Friedrichroda 1085 ein Benediktinerkloster gründete, entstand ab 1826 unter Herzog Ernst I. von Coburg und Gotha ein Lustschloss. Es heißt ausdrücklich, dass es unter Benutzung der Ecktürme entstand. Am Westturm nun wurden im letzten Sommer direkt am Zinnenkranz Schäden entdeckt. Ein Statiker erstellte ein Gutachten am ohnehin gesperrten Schloss. Es hielt fest, dass Einsturzgefahr besteht. Das geschah nur wenige Wochen, nachdem Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) verkündet hatte, sie würde auch den Schritt der Enteignung gehen, um das Schloss Reinhardsbrunn vor dem Verfall zu retten. Nun ist immerhin der Westturm gesichert.

Dieter Heunemann aus Schwarzhausen hat zwei Stahlstreifen um den Turm gespannt. Er sagt: „Die Sandsteinfugen waren ausgespült, die Steine gelockert. Wir haben den Umfang gemessen, das Stahlkorsett von zwei mal 16 Metern in der Schlosserei hergestellt und dann in und um das Mauerwerk angebracht.“ Dazu wurde der firmeneigene Kran benutzt. Dieter Heunemann sagt auch: „Nun kann kein Stein herunter fallen und jemanden verletzen. Das hält jetzt zehn, auch zwanzig Jahre. Aber es ist keine endgültige Lösung. Irgendwann muss das Mauerwerk gründlich instand gesetzt werden.“ Nach Angaben des Landratsamtes Gotha liegen die Kosten der jetzigen Sicherung bei etwa 3500 Euro für die Planung und rund 11.000 Euro für die Ausführung, das Material eingeschlossen. Die Behörde wird die Rechnungen bezahlen. Allerdings nur in der Vorleistung. Zuständig für die Sicherung ist zuallererst der Eigentümer. Er wurde entsprechend von der unteren Denkmalschutzbehörde auch dazu aufgefordert. Als niemand reagierte, allerdings der akute Handlungsbedarf bestand, wurde das Landratsamt in einer so genannten Ersatzvornahme aktiv. Eigentümer von Schloss Reinhardsbrunn ist nach Auskunft des Landratsamtes die Firma Bob consult, deren Hintergrund undurchschaubar scheint und auch zu einer Briefkastenfirma in Mittelamerika führt. Es gibt auch eine Firmenadresse in Hamburg. Dort war das Landratsamt bereits einmal erfolgreich, als es ähnlich lief wie jetzt mit dem Westturm. Um das Denkmal zu sichern, mussten vor einiger Zeit dringend Löcher im Dach, in Tür- und Fensteröffnungen geschlossen werden. Die Aufforderung ging an die Hamburger Adresse der Eigentümer. Doch es gab keine Reaktion. Das Landratsamt beauftragte Firmen und zahlte in der Ersatzvornahme. Ein Kostenbescheid ging anschließend an die gleiche Hamburger Adresse. Als es auch darauf keine Reaktion gab und sämtliche Fristen abgelaufen waren, wurde die Vollstreckung angeordnet. In Hamburg wurde sozusagen ein Gerichtsvollzieher aktiv. Und siehe da, die Schulden wurden beglichen. Mit dieser Erfahrung im Gedächtnis ist man beim Landratsamt Gotha nun guter Dinge, auch das jetzt in Vorleistung gezahlte Geld aus Steuermitteln eines Tages wieder zurück zu bekommen.

Ute Rang / 07.11.14 / TA